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Auswandern nach Frankreich

94.000 Deutsche leben in Frankreich, 5.700 kamen allein 2025 dazu. Das Land ist nah, groß und günstig auf dem Land, teuer in den Städten. Es gibt keine Meldepflicht – dafür will jede Stelle ein Dossier mit Nachweisen, und alles auf Französisch.

Überblick, keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung. Verbindliche Auskünfte geben die Botschaft, die Behörden des Landes und Fachleute.

94.000Deutsche leben in Frankreich · Destatis/Eurostat, 1.1.2025
5.700Fortzüge aus Deutschland 2025 – Platz 5 der Zielländer · Destatis
110,3Preisniveau (EU = 100; Deutschland 108,3) · Eurostat 2025
0 / 11 / 30 / 41 / 45 %Einkommensteuerstufen 2026 (Einkommen 2025)

Wer darf überhaupt hin

EU-Freizügigkeit – und ein Land, das Sie nirgendwo anmelden müssen. Das ist bequemer, als es ist.

Deutsche brauchen für Frankreich weder Visum noch Aufenthaltstitel. Anders als in Deutschland, Österreich oder den Niederlanden gibt es keine Meldepflicht bei einer Gemeinde; ein Aufenthaltstitel (carte de séjour „citoyen UE“) ist für EU-Bürger freiwillig. Für einen Aufenthalt über drei Monate müssen Sie die üblichen Bedingungen erfüllen: erwerbstätig sein oder über ausreichende Mittel und eine Krankenversicherung verfügen.

Weil es keine Meldebescheinigung gibt, weist man seinen Wohnsitz in Frankreich über den justificatif de domicile nach – eine Strom-, Gas- oder Internetrechnung, einen Mietvertrag oder eine Mietquittung (quittance de loyer), nicht älter als drei Monate. Dieses Dokument verlangt jede Stelle: Bank, Krankenkasse, Schule, Präfektur, Führerscheinbehörde. Wer zur Untermiete oder bei Freunden wohnt, braucht eine attestation d'hébergement plus Rechnung und Ausweis des Gastgebers.

Klartext

Frankreich verwaltet nicht über Meldung, sondern über Dossiers. Legen Sie vom ersten Tag an einen Ordner an: Reisepass, internationale Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Mietvertrag, aktuelle Rechnungen, Arbeitsvertrag oder Rentenbescheid, Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate – jeweils als Kopie und Scan. Wer bei jedem Termin das vollständige Dossier hat, kommt durch. Wer ein Blatt vergisst, kommt wieder.

Offizielle Stellen: service-public.fr, Französische Botschaft Berlin, Ihre Präfektur.

Anmeldung und Fristen

Ohne Meldeamt – aber mit einer Reihenfolge, die man kennen muss.

SchrittWoWann
Bankkonto (RIB)Bank vor Ort oder Online-Bank mit Frankreich-IBANsofort – fast jede Stelle verlangt eine französische Bankverbindung
Sozialversicherungsnummer und Krankenversicherung (PUMa)CPAM des Départements, Formular „demande d'ouverture des droits“nach drei Monaten Wohnsitz (Erwerbstätige sofort über den Arbeitgeber)
Carte VitaleCPAM, nach Zuteilung der endgültigen NummerBearbeitung mehrere Wochen bis Monate
Steuernummer (numéro fiscal)Finanzamt (SIP) oder mit der ersten SteuererklärungErklärung im Mai des Folgejahres, auch für das Zuzugsjahr
Auto ummelden (carte grise)ANTS, onlineinnerhalb eines Monats nach Wohnsitznahme
Abmeldung in DeutschlandEinwohnermeldeamt1 Woche vor bis 2 Wochen nach Auszug

Wer eine Stelle antritt, wird vom Arbeitgeber bei der Sozialversicherung angemeldet und bekommt eine vorläufige Nummer. Nicht-Erwerbstätige – auch Frührentner und mitziehende Partner – beantragen den Zugang zur Krankenversicherung selbst bei der CPAM, frühestens nach drei Monaten ununterbrochenem Wohnsitz. Diese drei Monate müssen anderweitig abgesichert sein.

Eine Besonderheit für Familien: Schulanmeldung läuft über die Mairie (Rathaus) des Wohnorts, nicht über die Schule – mit Wohnsitznachweis, Impfnachweis und Geburtsurkunde.

Was es wirklich kostet

Ähnlich wie Deutschland – mit gewaltigen Unterschieden zwischen Paris, Lyon und dem Land.

Das Preisniveau Frankreichs liegt laut Eurostat 2025 bei 110,3 (EU = 100), Deutschland bei 108,3 – praktisch gleich. Lebensmittel und Restaurants sind etwas teurer, Strom (Atomstrom, regulierter Tarif) und Kinderbetreuung günstiger, Autofahren und Maut teurer. Numbeo (Mitte 2026): 66,9 gegenüber 68,0 für Deutschland.

Einkommen: Das durchschnittliche Nettogehalt in der Privatwirtschaft lag 2024 bei 2.733 € im Monat (Vollzeit), der Median bei 2.190 € (INSEE, Oktober 2025). Der gesetzliche Mindestlohn SMIC ist einer der höchsten Europas. Gehälter werden netto verhandelt und ausgewiesen – „brut“ und „net“ unterscheiden sich in Frankreich um rund 22 Prozent Arbeitnehmerabgaben, bevor die Einkommensteuer kommt.

Miete je m² (Angebot)WertQuelle / Stand
Parisrund 33 € (26–43 €)SeLoger, 2026 – Mietpreisdeckel (encadrement) gilt
Lyonrund 17 € (12–25 €)SeLoger, 2026 – Mietpreisdeckel gilt
Mittelstädte und Landhäufig 8–12 €Portalwerte 2026, regional sehr unterschiedlich
Klartext

Frankreich ist zwei Länder. In Paris lebt man auf 30 Quadratmetern für das Geld, für das man in der Bretagne ein Haus mit Garten mietet. Wer aus Deutschland kommt und „nach Frankreich“ will, sollte zuerst entscheiden, in welches der beiden – und ehrlich prüfen, ob es auf dem Land Arbeit, Ärzte und Anschluss gibt.

Krankenversicherung

Ein staatliches System für alle Ansässigen – plus eine Zusatzversicherung, die fast jeder braucht.

Frankreich versichert über die Protection universelle maladie (PUMa) jeden, der stabil und rechtmäßig im Land wohnt oder arbeitet. Die Assurance Maladie erstattet in der Regel 70 Prozent der Arzt- und Medikamentenkosten zum Kassentarif; den Rest übernimmt eine private Zusatzversicherung, die mutuelle. Arbeitgeber müssen ihren Angestellten eine Mutuelle anbieten und mindestens die Hälfte zahlen; Rentner und Selbständige schließen sie selbst ab.

Ihre SituationWas gilt
Angestellt in FrankreichAnmeldung über den Arbeitgeber, Beiträge vom Lohn; Mutuelle vom Arbeitgeber mitfinanziert
SelbständigAnmeldung über URSSAF; Beiträge nach Einkommen; Mutuelle privat
Rentner mit deutscher gesetzlicher RenteFormular S1 der deutschen Krankenkasse; Sie bleiben Mitglied in Deutschland, behandelt werden Sie über die CPAM
Nicht erwerbstätig, keine RenteNach 3 Monaten Wohnsitz Zugang über PUMa; bis dahin private Absicherung. Wer wenig Erwerbseinkommen, aber Kapitalerträge hat, zahlt die cotisation subsidiaire maladie (2024: bei Erwerbseinkommen unter 9.274 € und Kapitalerträgen zwischen 23.184 und 370.944 €)

Praktisch wichtig: Sie wählen einen médecin traitant (Hausarzt) und melden ihn der CPAM – ohne diese Wahl sinkt die Erstattung. In vielen ländlichen Regionen fehlen Hausärzte („déserts médicaux“); klären Sie vor dem Umzug, ob eine Praxis Sie aufnimmt. Die Carte Vitale kommt erst Wochen nach der Anmeldung; bis dahin reichen Sie Belege ein und erhalten das Geld zurück.

Klartext – die Rückkehrtür

Die deutsche gesetzliche Kasse endet mit dem Wegzug. Seit dem 1. Januar 2026 ist die Rückkehr in die GKV ab 55 Jahren in aller Regel ausgeschlossen. Wer nicht sicher für immer geht, prüft vor dem Umzug die Anwartschaftsversicherung. Mehr im Ratgeber Krankenversicherung im Ausland.

Steuern

Allgemeine Einordnung, keine Beratung. Frankreich besteuert Haushalte, nicht Personen.

Der Einkommensteuertarif 2026 (für Einkommen 2025) hat fünf Stufen: 0 % bis 11.497 €, 11 % bis 29.315 €, 30 % bis 83.823 €, 41 % bis 180.294 €, 45 % darüber (service-public.fr). Das Besondere ist der quotient familial: Das Haushaltseinkommen wird durch die Zahl der „Anteile“ geteilt (Paar = 2, jedes Kind ab dem dritten ein voller Anteil), dann besteuert – Familien mit Kindern zahlen dadurch spürbar weniger als in Deutschland, Alleinstehende mit hohem Einkommen eher mehr. Seit 2019 wird die Steuer als Quellenabzug einbehalten (prélèvement à la source), die Erklärung im Frühjahr bleibt Pflicht.

Zusätzlich fallen auf fast alle Einkünfte die Sozialabgaben CSG und CRDS an (zusammen rund 9,7 Prozent auf Arbeitseinkommen, ermäßigt auf Renten). Sie sind keine Einkommensteuer, wirken aber wie eine. Die Wohnsteuer auf die Hauptwohnung (taxe d'habitation) ist seit 2023 abgeschafft; Eigentümer zahlen weiterhin die taxe foncière, die in vielen Gemeinden deutlich gestiegen ist.

Klartext

Frankreich kennt eine Vermögensteuer auf Immobilien (IFI) ab 1,3 Mio. € Immobilienvermögen – weltweit, also inklusive Haus in Deutschland. Und: Vermietete Immobilien in Deutschland bleiben dort steuerpflichtig (beschränkte Steuerpflicht). Bei GmbH-Anteilen ab 1 Prozent gehört die deutsche Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG) an den Anfang der Planung.

Rente und Abmeldung in Deutschland

Frankreich ist steuerlich der einfachste Fall für Rentner – seit 2016.

Die Deutsche Rentenversicherung zahlt nach Frankreich ungekürzt. Und anders als bei fast allen anderen Ländern ist die Steuerfrage geklärt: Seit dem Zusatzabkommen zum Doppelbesteuerungsabkommen, in Kraft seit dem 1. Januar 2016, werden deutsche gesetzliche Renten von in Frankreich Ansässigen nur in Frankreich besteuert. Es gibt also keine Steuererklärung in Deutschland für die Rente – dafür gehört sie in die französische Erklärung, mit CSG/CRDS auf Renten in ermäßigter Höhe.

Wer in Frankreich gearbeitet hat, erhält daraus eigene Ansprüche (retraite de base und retraite complémentaire); die Zeiten werden nach EU-Recht mit den deutschen zusammengerechnet. Beamtenpensionen und Betriebsrenten folgen eigenen Regeln – Fachperson fragen.

Ihre Abmeldeliste in Deutschland

  • Einwohnermeldeamt – Abmeldung, Bescheinigung aufbewahren (Ratgeber)
  • Krankenkasse – Rentner: S1; andere: Kündigung mit Nachweis, Anwartschaft prüfen (Briefvorlagen)
  • Rentenversicherung – Wohnsitzwechsel anzeigen, künftig jährliche Lebensbescheinigung
  • Rundfunkbeitrag – abmelden; Frankreich hat seine Rundfunkgebühr 2022 abgeschafft
  • Finanzamt – Wegzug mitteilen, beschränkte Steuerpflicht bei deutschen Einkünften
  • Familienkasse – Kindergeld endet; in Frankreich Leistungen der CAF beantragen (ab dem zweiten Kind)

Wohnung finden

Das Dossier entscheidet – und der Bürge.

Vermieter in den Städten verlangen ein Nettoeinkommen vom Dreifachen der Miete und ein vollständiges Dossier: Ausweis, letzte drei Gehaltsabrechnungen, Arbeitsvertrag (unbefristet bevorzugt), letzter Steuerbescheid, aktuelle Wohnsitznachweise. Wer das nicht hat – Berufsanfänger, Selbständige, Zuzügler ohne französische Steuerhistorie – braucht einen garant (Bürgen) mit Wohnsitz in Frankreich oder die staatliche Bürgschaft Visale (kostenlos, für unter 30-Jährige und viele Arbeitnehmer im ersten Jahr).

Die Kaution ist gesetzlich begrenzt: eine Monatsmiete bei unmöblierten, zwei bei möblierten Wohnungen. Unmöblierte Verträge laufen drei Jahre und verlängern sich automatisch, der Mieter kann mit ein bis drei Monaten Frist kündigen. In Paris, Lyon, Lille, Bordeaux, Montpellier und weiteren Städten gilt ein Mietpreisdeckel (encadrement des loyers) – prüfen Sie den Referenzwert, überhöhte Mieten sind anfechtbar.

Kaufen ist auf dem Land günstig, aber die Nebenkosten (frais de notaire) liegen bei Bestandsimmobilien um 7 bis 8 Prozent, und billige Häuser sind billig, weil Sanierung, Heizung und Dach teuer werden. Die Energieklasse (DPE) ist inzwischen entscheidend: Häuser der Klassen G und F dürfen schrittweise nicht mehr vermietet werden.

Arbeit und Abschlüsse

Ohne Französisch kaum eine Stelle – mit Französisch ein großer, geregelter Arbeitsmarkt.

Keine Arbeitserlaubnis nötig. Die Arbeitswelt ist stark reguliert: 35-Stunden-Woche als Basis (mit Überstundenregeln oder RTT-Ausgleichstagen), fünf Wochen Urlaub, unbefristete Verträge (CDI) mit hohem Kündigungsschutz, befristete (CDD) mit Prämie am Ende. Der CDI ist der Schlüssel zu Wohnung und Kredit – er zählt in Frankreich mehr als das Gehalt.

Deutsche Abschlüsse sind anerkannt, aber bei reglementierten Berufen (Medizin, Pflege, Lehramt im Staatsdienst, Recht, Architektur, viele Handwerke mit Meisterpflicht) ist ein formelles Verfahren nötig. Für den Staatsdienst (Lehrer, Verwaltung) gilt das Concours-System – auch für EU-Bürger zugänglich, aber auf Französisch.

Gefragt sind Deutschkenntnisse im Elsass, in Lothringen und bei deutsch-französischen Unternehmen; grenznahe Regionen bieten den einfachsten Einstieg. Das Grenzgänger-Modell (in Frankreich wohnen, in Deutschland arbeiten) ist am Oberrhein verbreitet und steuerlich durch das Abkommen geregelt – wer in Baden lebt, sollte diese Variante kennen, bevor er komplett umzieht.

Sprache

Keine Verhandlungssache. Frankreich funktioniert auf Französisch – auch im Callcenter der Krankenkasse.

Mehr als in jedem anderen westeuropäischen Land ist die Landessprache Voraussetzung. Behörden, Ärzte, Handwerker, Vermieter und Schulen erwarten Französisch; Englisch hilft in Paris und im Tourismus, sonst wenig. Formulare, Hotlines und Online-Portale sind einsprachig. Ein Schulfranzösisch von vor 30 Jahren reicht für den Einkauf, nicht für den Mietvertrag oder das Gespräch mit der Lehrerin.

Realistisch: Planen Sie vor dem Umzug ein halbes Jahr intensiven Unterricht ein und nach dem Umzug einen Kurs vor Ort (Volkshochschulen gibt es nicht, aber Alliance Française, Universitäten und viele kommunale Angebote). Für Kinder ist die Sprache selten ein Problem, für ältere Erwachsene oft der Grund, warum Freundschaften auf die deutsche Nachbarschaft beschränkt bleiben.

Kinder und Schule

Schule ab drei, lange Tage, klare Struktur – und AbiBac als Bonus für deutsche Familien.

In Frankreich beginnt die Schulpflicht mit drei Jahren in der école maternelle, die kostenlos und ganztägig ist. Es folgen école élémentaire (6–11), collège (11–15) und lycée (15–18). Der Schultag dauert bis 16:30 Uhr, mittags gibt es die Kantine (kostenpflichtig, einkommensabhängig), danach oft Betreuung. Der Mittwochnachmittag ist häufig frei. Das System ist zentralistisch, leistungsorientiert und mit deutlich mehr Noten und Hausaufgaben als in vielen deutschen Bundesländern.

Für deutschsprachige Familien interessant: die Deutschen Schulen in Paris und Toulouse, deutsch-französische Züge mit AbiBac (doppelter Abschluss) an zahlreichen öffentlichen Gymnasien, und die Sections internationales. Kinder ohne Französisch werden in öffentlichen Schulen in Fördergruppen (UPE2A) aufgefangen; im Grundschulalter klappt der Übergang meist in einem Jahr.

Kinderbetreuung unter drei ist über die CAF stark subventioniert (crèche, assistante maternelle); die Familienleistungen (allocations familiales) beginnen ab dem zweiten Kind. Mehr im Ratgeber Auswandern mit Kindern.

Der Alltagskram

Woran die Nerven verschleißen – nicht am großen Ganzen.

  • Auto ummelden – innerhalb eines Monats nach Wohnsitznahme über ANTS; nötig sind Zollbescheinigung (quitus fiscal, kostenlos beim Finanzamt), Konformitätsbescheinigung (COC) und ggf. contrôle technique. Keine Zulassungssteuer für Umzugsgut, aber regionale Gebühren.
  • Führerschein – der deutsche bleibt gültig, Umtausch ist freiwillig, wird aber nach einem Verkehrsverstoß mit Punkteabzug Pflicht.
  • Bankkonto – die französische IBAN (RIB) ist der Schlüssel zu allem; Kontoführung kostet meist Gebühren, der Scheck ist noch verbreitet.
  • Strom und Gas – Vertrag auf eigenen Namen ist zugleich der wichtigste Wohnsitznachweis; regulierten Tarif prüfen.
  • Handy und Internet – günstig und ohne lange Bindung, aber ohne RIB kein Vertrag.
  • Maut und Umweltplakette – Autobahnen sind mautpflichtig; in vielen Städten gilt die Crit'Air-Plakette (auch für deutsche Fahrzeuge online bestellbar).
  • Post – deutsche Behördenpost weiter an eine Vertrauensperson leiten; Nachsendeaufträge ins Ausland sind unzuverlässig.

Typische Fehler

So scheitert der Start am häufigsten.

  1. Ohne Französisch kommen. Der häufigste und teuerste Fehler – er verlangsamt jeden anderen Schritt.
  2. Kein Dossier. Fehlende Geburtsurkunde, keine Stromrechnung, keine drei Gehaltsabrechnungen: jeder Termin platzt.
  3. Die drei Monate ohne Krankenversicherung übersehen. Nicht-Erwerbstätige kommen erst nach drei Monaten in die PUMa.
  4. Billiges Haus, teure Wahrheit. Das Steinhaus für 60.000 € im Limousin braucht Dach, Heizung, Elektrik – und einen Arzt im Umkreis von 40 km.
  5. Die Rente doppelt erklären. Seit 2016 nur Frankreich – wer trotzdem in Deutschland erklärt, produziert Rückfragen statt Klarheit.
  6. Auto nicht fristgerecht ummelden. Ein Monat – danach drohen Bußgeld und Ärger mit der Versicherung.
  7. Paris als Standard. Für die meisten Budgets ist es die falsche Stadt; Lyon, Nantes, Bordeaux, Straßburg bieten mehr Lebensqualität pro Euro.

Ehrliche Nachteile

Was das Postkartenbild weglässt.

  • Verwaltung: gründlich, papierhungrig, langsam; Wochen für die Carte Vitale sind normal, Monate keine Ausnahme.
  • Ärztemangel auf dem Land – ausgerechnet dort, wo viele Deutsche hinziehen.
  • Hohe Abgaben auf Arbeit und Kapital; das Netto ist niedriger, als das Brutto vermuten lässt.
  • Streiks und Proteste gehören zur politischen Kultur – Bahn, Schulen, Raffinerien.
  • Sprachliche Isolation für alle, die spät anfangen zu lernen.
  • Immobilienfallen: Sanierungsbedarf, Energieklasse, steigende Grundsteuer, Leerstand in Ortskernen.
  • Sicherheitslage und soziale Spannungen in Teilen der Großstadtvororte – regional sehr unterschiedlich, vorher anschauen.

Für wen passt Frankreich – und für wen nicht

Keine Wertung von Menschen, sondern von Konstellationen.

Passt gut

  • Menschen mit solidem Französisch oder der Bereitschaft, ein Jahr zu investieren
  • Familien mit kleinen Kindern – Ganztagsschule ab drei, günstige Betreuung, Quotient familial
  • Ruheständler mit gesicherter Rente: einfache Steuerlage seit 2016, S1, gutes Gesundheitssystem in den Städten
  • Berufstätige aus Baden, dem Saarland und der Pfalz, die grenznah bleiben
  • Wer Land und Weite will und dafür Wege und Handwerkerkosten akzeptiert

Passt schlecht

  • Wer ohne Französisch eine Stelle sucht
  • Wer schnelle Verwaltung und planbare Termine braucht
  • Wer wegen niedriger Steuern auswandert – Frankreich ist keines der günstigen Länder
  • Wer ein Schnäppchenhaus kauft, ohne Sanierungsbudget und Arzt im Umkreis
  • Selbständige mit hohem Einkommen ohne Beratung – die Abgabenlast überrascht

Kostenbeispiel: der Umzug

Beispielrechnung für eine Familie mit zwei Kindern aus Baden-Württemberg, Umzug in eine 85-m²-Wohnung nach Lyon. Spannen, keine Angebote.

PostenSpanneGrundlage
Kaution (1 Monatsmiete, unmöbliert)rund 1.450 €85 m² × 17 €/m² (SeLoger 2026)
Erste Mieterund 1.450 €zzgl. Nebenkosten (charges)
Maklergebühr (frais d'agence), falls Agenturbis rund 1.000 €gesetzlich gedeckelt je m², in Lyon 10–12 €/m²
Umzugsunternehmen, 4-Zimmer, ca. 500 km2.500–5.000 €Erfahrungsspanne 2026, Angebote einholen
Krankenversicherung Übergang (3 Monate, Familie, falls nicht erwerbstätig)450–1.200 €private Auslandspolice; entfällt bei Anstellung
Auto ummelden (carte grise, COC, ggf. contrôle technique)150–500 €regionale Gebühren, Fahrzeugtyp
Übersetzungen, Urkunden100–400 €vereidigte Übersetzer
Schulmaterial, Kantine, Betreuung erster Monat200–500 €einkommensabhängig
Doppelte Miete / Übergang, Puffer2.000–3.500 €Erfahrungswert
Summe vor dem ersten normalen Monatrund 8.500–15.000 €ohne Kauf, ohne Möbel im großen Stil

Beispielrechnung, Stand September 2026. Mietwerte belegt (SeLoger), Kautionsgrenze gesetzlich, übrige Posten Erfahrungsspannen ohne Gewähr.

Warum manche wieder zurückgehen

Die Frage, die auf keiner anderen Länderseite steht.

  • Die Sprache kam nie. Wer mit 55 ohne Französisch aufs Land zieht, hat nach drei Jahren oft nur deutsche Bekannte – und die ziehen auch weg.
  • Das Haus wurde zum Projekt. Sanierungskosten, Handwerkermangel, feuchte Winter in alten Steinhäusern.
  • Der Arzt ist zu weit. Mit 70 zählen 40 Kilometer zum nächsten Hausarzt anders als mit 55.
  • Kinder in der Pubertät wollten zurück zu Freunden und Schulsystem.
  • Die Eltern in Deutschland brauchten Pflege – und Frankreich ist mit dem Auto nah, aber nicht nah genug für jede Woche.
Klartext

Frankreichs Rückkehrer sind selten Berufstätige in Lyon oder Straßburg – es sind überdurchschnittlich oft Menschen, die dem Traum vom Landhaus gefolgt sind. Wer den Traum hat, sollte ihn mieten, bevor er ihn kauft: ein Winter zur Probe in der Region, mit Arztsuche und Handwerkerterminen, sagt mehr als jede Besichtigung im Mai.

Ihre ersten 90 Tage

Was wann zu tun ist – die Kurzfassung dieser Seite.

Vor dem Umzug

  • Französischkurs beginnen – mindestens ein halbes Jahr vorher
  • Dossier anlegen: internationale Geburts- und Heiratsurkunden, Gehaltsabrechnungen, Steuerbescheid, Arbeitsvertrag oder Rentenbescheid
  • Bei GmbH-Anteilen: Wegzugsbesteuerung prüfen; bei Immobilienvermögen über 1,3 Mio. €: IFI prüfen
  • Krankenkasse: S1 (Rentner) oder Übergangspolice für drei Monate; Anwartschaft prüfen
  • Wohnung suchen; Bürgen oder Visale klären
  • Abmeldung in Deutschland (1 Woche vor bis 2 Wochen nach Auszug), Bescheinigung sichern

Woche 1 bis 4

  • Bankkonto eröffnen, RIB besorgen
  • Strom-/Gasvertrag auf eigenen Namen – der zentrale Wohnsitznachweis
  • Kinder über die Mairie an der Schule anmelden
  • Bei Anstellung: Sozialversicherungsnummer über den Arbeitgeber; Mutuelle wählen
  • Auto: quitus fiscal beim Finanzamt, Ummeldung über ANTS binnen eines Monats
  • Deutsche Rentenversicherung, Krankenkasse, Rundfunkbeitrag, Finanzamt informieren

Tag 30 bis 90

  • Nicht-Erwerbstätige: nach drei Monaten Antrag auf PUMa bei der CPAM
  • Hausarzt (médecin traitant) finden und bei der CPAM melden
  • Carte Vitale beantragen, sobald die endgültige Nummer da ist
  • Bei der CAF Familienleistungen und ggf. Wohngeld (APL) beantragen
  • Sprachkurs vor Ort, Vereine, Nachbarschaft – bewusst französisch, nicht deutsch

Häufige Fragen zu Frankreich

Kurz beantwortet – ausführlich steht alles oben auf der Seite.

Muss ich mich in Frankreich anmelden?

Nein, Frankreich hat keine Meldepflicht für EU-Bürger, und ein Aufenthaltstitel ist freiwillig. Ihren Wohnsitz weisen Sie stattdessen überall mit dem justificatif de domicile nach – meist einer aktuellen Strom- oder Internetrechnung oder dem Mietvertrag.

Wie bin ich in Frankreich krankenversichert?

Über die PUMa, sobald Sie arbeiten oder drei Monate stabil im Land wohnen. Erstattet werden meist 70 Prozent, den Rest deckt eine private Zusatzversicherung (mutuelle). Rentner mit deutscher gesetzlicher Rente nutzen das Formular S1 ihrer deutschen Kasse.

Wer besteuert meine deutsche Rente in Frankreich?

Seit dem 1. Januar 2016 nur Frankreich. Sie geben die Rente in der französischen Steuererklärung an; eine Erklärung in Deutschland ist für die gesetzliche Rente nicht mehr nötig. Betriebs- und Beamtenpensionen folgen eigenen Regeln.

Was kostet Wohnen in Frankreich?

Sehr unterschiedlich: Paris rund 33 €/m², Lyon rund 17 €/m² (SeLoger 2026), auf dem Land oft unter 10 €/m². Die Kaution ist auf eine Monatsmiete (unmöbliert) begrenzt, Vermieter verlangen meist das Dreifache der Miete als Nettoeinkommen und oft einen Bürgen.

Komme ich ohne Französisch zurecht?

Für den Anfang in Paris ja, dauerhaft nirgends. Behörden, Ärzte, Vermieter und Schulen arbeiten auf Französisch. Planen Sie den Sprachkurs vor dem Umzug ein, nicht danach.

Ab wann müssen Kinder in Frankreich zur Schule?

Ab drei Jahren in die école maternelle, die kostenlos und ganztägig ist. Die Anmeldung läuft über das Rathaus (Mairie) des Wohnorts. Deutsch-französische Züge mit AbiBac gibt es an vielen öffentlichen Gymnasien.

Muss ich mein Auto ummelden?

Ja, innerhalb eines Monats nach Wohnsitznahme über das Portal ANTS. Nötig sind die Zollbescheinigung (quitus fiscal), die Konformitätsbescheinigung und je nach Alter ein contrôle technique. Eine Zulassungssteuer für Umzugsgut fällt nicht an.

Ihre persönliche Reihenfolge

Diese Seite gilt für alle. Ihre Situation gilt nur für Sie. Der kostenlose Auswander-Check macht daraus eine Liste, die zu Ihrem Beruf, Ihrer Familie und Ihrem Zeitplan passt – und wer beim Abarbeiten jemanden an der Seite haben möchte, bekommt mit der Klartext-Begleitung persönliche Antworten per E-Mail (19 € pro Monat, monatlich kündbar).

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Zuletzt geprüft am 2. September 2026. Quellen: Statistisches Bundesamt, Wanderungsstatistik 2025 (01.06.2026) und Deutsche im europäischen Ausland (Stand 1.1.2025); Eurostat, Preisniveauindizes 2025; service-public.fr, Einkommensteuertarif 2026 und Aufenthaltsrecht für EU-Bürger; INSEE, Löhne in der Privatwirtschaft 2024 (Oktober 2025); URSSAF, cotisation subsidiaire maladie; Assurance Maladie (PUMa, médecin traitant); SeLoger, Mietpreise Paris und Lyon 2026; Zusatzabkommen zum DBA Deutschland–Frankreich (in Kraft 1.1.2016); Numbeo-Länderindex Mitte 2026; Deutsche Rentenversicherung; eigene redaktionelle Auswertung. Allgemeine Informationen ohne Gewähr, keine Steuer-, Versicherungs- oder Rechtsberatung. Zahlen sind Stichtagswerte und Spannen; prüfen Sie sie vor Entscheidungen bei den genannten Stellen nach.