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Auswandern nach Australien

Rund 108.000 in Deutschland Geborene leben in Australien. Das Land sucht Fachkräfte, zahlt gut und hat ein Einwanderungssystem, das sich berechnen lässt – mit einer harten Altersgrenze, hohen Gebühren und einer Krankenversicherungslücke, die Deutsche im Gegensatz zu Niederländern oder Schweden trifft.

Überblick, keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung. Verbindliche Auskünfte geben die Botschaft, die Behörden des Landes und Fachleute.

107.940in Deutschland Geborene in Australien · Zensus 2021
unter 45Altersgrenze bei Einladung für die Fachkräftevisa 189/190/491
6.135 AUDVisumsgebühr Subclass 189, Hauptantragsteller · ab 1. Juli 2026
841 AUDMedianmiete Sydney pro Woche · Cotality, Juni 2026

Wer darf überhaupt hin

Punkte, Berufslisten, Altersgrenze – ein System, das klar ist und trotzdem die meisten aussortiert.

Als Tourist reisen Deutsche mit elektronischem eVisitor-Visum bis zu drei Monate ein – ohne Arbeitsrecht. Einwandern läuft über Fachkräfte-, Arbeitgeber- und Familienvisa. Verbindlich ist das Department of Home Affairs; registrierte Migrationsagenten (MARA) sind verbreitet, aber nicht Pflicht.

WegFür wenWas man wissen muss (Stand 2026)
Skilled Independent 189 (Daueraufenthalt)Fachkräfte mit Beruf auf der Liste, unter 45, Englischtest, Skills AssessmentMindestens 65 Punkte, Einladungen meist deutlich darüber; Gebühr 6.135 AUD Hauptantragsteller plus 3.070 AUD Partner und 1.540 AUD je Kind (ab 1.7.2026)
State Nominated 190 / Regional 491Wie 189, mit Nominierung eines Bundesstaats5 bzw. 15 Zusatzpunkte; 491 verpflichtet zu regionalem Wohnen für den Weg zum Daueraufenthalt
Skills in Demand 482 (Arbeitgeber)Wer ein Jobangebot eines zugelassenen Arbeitgebers hatBefristet, Gehaltsschwellen; nach zwei Jahren Übergang zum Daueraufenthalt (186) möglich
Working Holiday 417Deutsche zwischen 18 und 35 (seit 1. Juli 2026, vorher 30)12 Monate, verlängerbar bei Arbeit in bestimmten Regionen; kein Einwanderungsvisum, aber häufiger Einstieg
PartnervisumEhepartner und Lebenspartner australischer Staatsbürger oder DaueraufenthalterHohe Gebühr (rund 9.000 AUD), lange Bearbeitung
ElternvisaEltern von AustraliernEntweder sehr teuer (contributory) oder Wartezeiten von Jahrzehnten – als Rentnerweg praktisch untauglich
Klartext

Zwei Dinge entscheiden früh: Ist Ihr Beruf auf der Liste, und sind Sie unter 45 – zum Zeitpunkt der Einladung, nicht der Bewerbung? Wer 43 ist, hat keine Zeit für „erst mal Englisch verbessern“. Und: Die Gebühren summieren sich für eine Familie samt Skills Assessment (500–1.450 AUD), Englischtest, Gesundheitschecks und Führungszeugnissen schnell auf über 12.000 AUD, bevor irgendjemand einen Koffer gepackt hat.

Anmeldung und Fristen

Kein Meldeamt – dafür Steuernummer, Medicare (falls berechtigt), Superannuation und Führerschein.

SchrittWoWann
Tax File Number (TFN)Australian Taxation Office, online nach EinreiseWoche 1 – ohne TFN wird der Lohn mit dem Höchstsatz besteuert
Medicare-Anmeldung (nur Daueraufenthalt oder bestimmte Visa)Services Australianach Einreise; Inhaber befristeter Visa sind nicht berechtigt (siehe Krankenversicherung)
BankkontoBank; viele erlauben Eröffnung aus Deutschland vor der Einreisevor oder in Woche 1
Superannuation-Fonds wählenArbeitgeber fragt beim Startbeim ersten Job – sonst landet man im Standardfonds
Führerschein des BundesstaatsVerkehrsbehörde des Staatesje nach Staat innerhalb von 3–6 Monaten nach Ankunft (Daueraufenthalt); deutsche Führerscheine meist prüfungsfrei umtauschbar
Abmeldung in DeutschlandEinwohnermeldeamt1 Woche vor bis 2 Wochen nach Auszug

Australien kennt keine Meldebescheinigung; Adressnachweis sind Mietvertrag, Stromrechnung oder Kontoauszug. Wichtig für die Zukunft: Ein Daueraufenthalt erlaubt die Ein- und Ausreise nur, solange das Reisevisum („travel facility“) gültig ist – meist fünf Jahre; danach braucht es ein Resident Return Visa, für das man in den fünf Jahren mindestens zwei in Australien gelebt haben sollte.

Was es wirklich kostet

Hohe Löhne, hohe Preise, sehr hohe Mieten – und ein Zwölftel vom Lohn zusätzlich in die Altersvorsorge.

Der Durchschnittsverdienst Vollzeitbeschäftigter lag im Mai 2026 bei 2.083,70 AUD pro Woche (ABS, ordentliche Arbeitszeit), rund 108.000 AUD im Jahr. Zusätzlich zahlt der Arbeitgeber seit Juli 2025 12 Prozent Superannuation in Ihren Altersvorsorgefonds – obendrauf, nicht abgezogen. Numbeo (Mitte 2026) weist 71,4 gegenüber 68,0 für Deutschland aus, beim Mietindex 33,1 gegenüber 22,0. Eurostat führt Australien nicht im EU-Preisvergleich.

PostenWertQuelle / Stand
Medianmiete Sydney, alle Wohnungen841 AUD / WocheCotality (ehem. CoreLogic), Juni 2026 – rund 3.650 AUD im Monat
Medianmiete Melbourne641 AUD / WocheCotality, Juni 2026 – rund 2.780 AUD im Monat
Einkommensteuer0 % bis 18.200 AUD, dann 16 / 30 / 37 / 45 %ATO, Steuerjahr 2025/26; plus 2 % Medicare Levy
Superannuation (Arbeitgeber)12 % zusätzlich zum Lohnseit 1. Juli 2025

Mieten werden pro Woche angegeben – ein häufiger Rechenfehler beim ersten Blick auf Anzeigen. Lebensmittel, Restaurants, Alkohol, Zigaretten und Handwerker sind teurer als in Deutschland; Benzin und Strom je nach Staat ähnlich; Kinderbetreuung sehr teuer, staatlich bezuschusst.

Klartext

Auf dem Papier bleibt in Australien mehr übrig als in Deutschland. In Sydney, Melbourne und Brisbane geht dieser Vorsprung fast vollständig in die Miete. Wer den finanziellen Vorteil will, zieht nach Adelaide, Perth, Hobart, in regionale Zentren – und bekommt für den 491-Weg dort auch noch Punkte.

Krankenversicherung

Medicare ist gut – aber Deutsche mit befristetem Visum bekommen es nicht. Das unterscheidet uns von elf anderen Nationen.

Australiens staatliches System Medicare deckt Hausarzt, Fachärzte (mit Überweisung) und öffentliche Krankenhäuser. Anspruch haben Staatsbürger, Daueraufenthalter und Bürger von Staaten mit Gegenseitigkeitsabkommen. Deutschland gehört nicht dazu – im Gegensatz zu den Niederlanden, Belgien, Schweden, Finnland, Italien, Irland, Großbritannien u. a. Wer also mit Working Holiday, 482 oder Studentenvisum kommt, braucht für die gesamte Zeit eine private Overseas Visitors Health Cover (OVHC); bei vielen Visa ist sie Auflage.

Ihre SituationWas gilt
Daueraufenthalt (189/190/186, Partnervisum erteilt)Medicare ab Anmeldung; Medicare Levy 2 % vom Einkommen über die Steuer
Befristetes Visum (417, 482, 491*, Student)Kein Medicare; OVHC Pflicht oder dringend nötig (*491-Inhaber haben teils Zugang – prüfen)
Besserverdienende ohne private KrankenhausversicherungZusätzlich Medicare Levy Surcharge von 1–1,5 % ab etwa 101.000 AUD Einkommen (Alleinstehende)
Über 31 ohne private KrankenhausversicherungLifetime Health Cover: 2 % Aufschlag je Jahr über 31 auf spätere Prämien – Neuzuwanderer haben ab Medicare-Anmeldung ein Jahr Zeit

Zahnarzt, Brillen, Physiotherapie und Krankenwagen (!) sind nicht in Medicare – Krankenwagen kosten in mehreren Staaten vierstellig, private Zusatzversicherung („extras“) oder eine Mitgliedschaft beim Ambulanzdienst sind üblich. Hausärzte rechnen teils direkt mit Medicare ab („bulk billing“), teils mit Zuzahlung.

Klartext

Die deutsche gesetzliche Kasse endet mit dem Wegzug; das Sozialversicherungsabkommen mit Australien betrifft Renten, nicht Krankenversicherung. Und seit 2026 ist die Rückkehr in die GKV ab 55 in aller Regel ausgeschlossen. Wer nach Australien geht, prüft die Anwartschaft – und kalkuliert für die Jahre auf befristetem Visum die OVHC als festen Posten von mehreren hundert AUD im Monat für eine Familie.

Steuern

Allgemeine Einordnung, keine Beratung. Ein Steuerjahr ab 1. Juli, Welteinkommen und die Frage, was mit dem deutschen Depot passiert.

Das australische Steuerjahr läuft vom 1. Juli bis 30. Juni. Steuerlich Ansässige versteuern ihr Welteinkommen; der Tarif 2025/26: 0 % bis 18.200 AUD, dann 16 % bis 45.000, 30 % bis 135.000, 37 % bis 190.000 und 45 % darüber, plus 2 % Medicare Levy. Es gibt keine Kirchensteuer, keine Gewerbesteuer für Angestellte und keine Vermögensteuer; dafür Kapitalertragsteuer auf Gewinne (mit 50 % Rabatt nach einem Jahr Haltedauer) und beim Zuzug eine fiktive Anschaffung des Weltvermögens zum Zuzugswert.

Wer als temporary resident (befristetes Visum, kein australischer Partner) im Land ist, versteuert ausländische Kapitalerträge in der Regel nicht in Australien – ein Vorteil, der mit dem Daueraufenthalt endet. Deutsche Mieteinkünfte bleiben in Deutschland beschränkt steuerpflichtig. Bei GmbH-Anteilen ab 1 Prozent greift vor dem Wegzug die deutsche Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG).

Klartext

Superannuation ist kein Bonus, den man später mitnimmt: Auszahlung erst ab dem „preservation age“ (60), bei endgültiger Ausreise für Inhaber befristeter Visa als DASP mit hoher Abzugssteuer. Wer nur drei Jahre bleibt, sollte das wissen, bevor er freiwillig mehr einzahlt.

Rente und Abmeldung in Deutschland

Volle Auszahlung, ein Abkommen für die Wartezeiten – und zwei Systeme, die nichts miteinander zu tun haben.

Die Deutsche Rentenversicherung zahlt nach Australien ungekürzt. Das Sozialversicherungsabkommen Deutschland–Australien (in Kraft seit 2003) hilft beim Erreichen von Mindestzeiten: Für die australische Age Pension braucht es normalerweise zehn Jahre Wohnsitz; sie ist steuerfinanziert, einkommens- und vermögensgeprüft und wird durch deutsche Renten gekürzt. Die zweite Säule, die Superannuation, ist ein persönliches Kapitalkonto – was Sie und Ihr Arbeitgeber einzahlen, gehört Ihnen.

Steuerlich weist das Doppelbesteuerungsabkommen von 2015 Renten grundsätzlich dem Wohnsitzstaat zu, lässt bei Sozialversicherungsrenten aber auch dem zahlenden Staat ein Besteuerungsrecht. In der Praxis heißt das für deutsche Rentner in Australien häufig: Erklärung in beiden Ländern, Anrechnung, keine Doppelzahlung – und Post vom Finanzamt Neubrandenburg. Lassen Sie den Einzelfall prüfen.

Ihre Abmeldeliste in Deutschland

  • Einwohnermeldeamt – Abmeldung, Bescheinigung aufbewahren (Ratgeber)
  • Krankenkasse – Kündigung zum Wegzug, Anwartschaft prüfen (Briefvorlage)
  • Rentenversicherung – Wohnsitzwechsel anzeigen, jährliche Lebensbescheinigung
  • Finanzamt – Wegzug, ggf. Wegzugsbesteuerung; bei Rente Finanzamt Neubrandenburg
  • Rundfunkbeitrag – abmelden
  • Familienkasse – Kindergeld endet; in Australien Family Tax Benefit über Services Australia (nur mit passendem Visum)

Wohnung finden

Ein Bewerbungsverfahren mit Konkurrenz – und Häuser, die im Winter kälter sind als draußen.

Mietwohnungen werden über Portale (realestate.com.au, Domain) und Makler vergeben; Besichtigungen sind Gruppentermine, danach bewirbt man sich mit Ausweis, Einkommensnachweis, Referenzen und Kontoauszügen. In Sydney, Melbourne und Brisbane konkurrieren regelmäßig Dutzende Bewerber; Neuankömmlinge ohne australische Mietgeschichte verlieren oft. Hilfreich: Arbeitgeberbestätigung, Angebot mehrerer Wochen Miete im Voraus (rechtlich begrenzt), Referenz des deutschen Vermieters auf Englisch.

Üblich sind eine Kaution („bond“) von vier Wochenmieten, hinterlegt bei der staatlichen Kautionsstelle, Verträge über sechs oder zwölf Monate mit anschließend periodischer Verlängerung, und regelmäßige Inspektionen durch die Hausverwaltung. Möbliert ist selten; Kühlschrank und Waschmaschine bringt der Mieter mit.

Klartext

Australische Häuser sind für Sommer gebaut: kaum Isolierung, Einfachglas, keine Zentralheizung. In Melbourne, Canberra, Hobart und Adelaide sind Winterinnentemperaturen von 12 Grad normal – Deutsche frieren in Australien häufiger als in Deutschland. Fragen Sie nach Heizung, Klimaanlage und Energieausweis, und rechnen Sie im Winter mit hohen Stromrechnungen.

Kaufen: Inhaber befristeter Visa brauchen eine Genehmigung des FIRB, dürfen in der Regel nur Neubauten erwerben und zahlen Zusatzabgaben; seit 2025 gilt für ausländische Käufer von Bestandsimmobilien ein befristetes Verbot. Mit Daueraufenthalt entfallen diese Hürden, die Preise in den großen Städten bleiben.

Arbeit und Abschlüsse

Fachkräfte willkommen – nach dem Skills Assessment. Und mit einer Arbeitskultur, die entspannter wirkt, als sie ist.

Der Weg in den Beruf beginnt vor dem Visum: Das Skills Assessment der zuständigen Stelle (Engineers Australia, VETASSESS, TRA für Handwerk, AHPRA für Gesundheitsberufe u. a.) bestätigt, dass Ihre Qualifikation dem australischen Standard entspricht; es kostet 500 bis 1.450 AUD und dauert Wochen bis Monate. Deutsche Handwerksausbildungen werden geschätzt, brauchen für lizenzierte Gewerke (Elektrik, Sanitär, Gas) aber zusätzlich eine Lizenz des Bundesstaats.

Arbeitsverträge kennen vier Wochen Jahresurlaub, zehn Tage bezahlte Krankheit, Kündigungsfristen von ein bis vier Wochen und viel „casual work“ (Stundenbasis mit 25 % Aufschlag statt Urlaub und Kündigungsschutz). Gefragt sind Gesundheitsberufe, Bau, Ingenieurwesen, IT, Lehrer und Handwerk; in den Städten ist der Wettbewerb um Bürojobs groß, regional werden Fachkräfte dringend gesucht.

Klartext

„Laid back“ gilt für Wochenende und Strand, nicht für Bürozeiten: lange Tage, hohe Erwartungen an Verfügbarkeit, wenig Trennung von Privat und Beruf. Und: Ohne lokale Referenzen ist der erste Job schwerer als der zweite – viele Deutsche starten über einen Arbeitgeber-Sponsor (482) und wechseln nach dem Daueraufenthalt.

Sprache

Englisch – geprüft, gepunktet und im Alltag mit eigener Färbung.

Für die Fachkräftevisa ist ein Englischtest (IELTS, PTE, OET u. a.) Pflicht, und das Niveau bringt Punkte: „Proficient“ (IELTS 7 in allen Teilen) 10 Punkte, „Superior“ (IELTS 8) 20 Punkte. Für viele Bewerber ist der Sprachtest der günstigste Hebel im Punktesystem – ein Vorbereitungskurs kann sich mehr lohnen als ein Zusatzjahr Berufserfahrung. Im Alltag ist australisches Englisch schnell, verkürzt und voller Eigenheiten, aber Deutsche mit gutem Schulenglisch sind nach wenigen Wochen drin.

Für Kinder gibt es an öffentlichen Schulen intensive Englischprogramme (Intensive English Centres). Deutsch als Herkunftssprache lässt sich über Samstagsschulen (German Saturday Schools in den großen Städten) und die Deutsche Schule Melbourne / German International School Sydney erhalten.

Kinder und Schule

Gute Schulen, Schuluniformen, Sport – und Schulgeld für Kinder von Inhabern befristeter Visa in einigen Staaten.

Das Schuljahr beginnt Ende Januar. Öffentliche Schulen sind für Daueraufenthalter kostenlos (freiwillige Beiträge, Uniform, Ausflüge kommen dazu); rund ein Drittel der Kinder besucht katholische oder private Schulen mit Gebühren von einigen tausend bis über 30.000 AUD im Jahr. Das Niveau der öffentlichen Schulen ist gut, mit großen Unterschieden zwischen Stadtteilen; Einzugsgebiete („catchment“) entscheiden.

Klartext – Schulgebühren bei befristetem Visum

Mehrere Bundesstaaten – darunter New South Wales und das Australian Capital Territory – verlangen von Familien mit befristeten Visa (z. B. 482) Schulgebühren auch an staatlichen Schulen, je nach Staat und Einkommen mehrere tausend AUD pro Kind und Jahr. Andere Staaten befreien oder staffeln. Prüfen Sie das vor der Wahl des Bundesstaats – es kann den Unterschied von 10.000 AUD im Jahr machen.

Kinderbetreuung unter fünf ist privat und teuer (in Städten 130–200 AUD pro Tag), staatlich bezuschusst über den Child Care Subsidy, aber nur für Berechtigte (Daueraufenthalt, bestimmte Visa). Das Family Tax Benefit ersetzt das Kindergeld, ebenfalls visumsabhängig. Mehr im Ratgeber Auswandern mit Kindern.

Der Alltagskram

Sonne, Entfernungen, Krankenwagen-Mitgliedschaft – die kleinen Dinge, die keiner erzählt.

  • Führerschein – deutsche Führerscheine sind in allen Staaten prüfungsfrei umtauschbar; als Daueraufenthalter meist innerhalb von drei bis sechs Monaten Pflicht. Linksverkehr.
  • Auto – außerhalb der Innenstädte nötig; Import aus Deutschland lohnt praktisch nie (Zoll, Umbauten, Zulassung). Gebrauchtwagen mit „roadworthy certificate“ und staatlicher Haftpflicht (CTP) kaufen.
  • Krankenwagen – nicht überall von Medicare gedeckt; in NSW, Victoria u. a. Mitgliedschaft oder Zusatzversicherung abschließen.
  • Sonne – UV-Index in Australien ist extrem; Hautkrebs ist Volkskrankheit, jährlicher Hautcheck ist Routine.
  • Bank – Konto oft schon aus Deutschland eröffnen, Kartenzahlung überall, kaum Bargeld.
  • Handy und Internet – Prepaid günstig, Festnetz-Internet (NBN) mittelmäßig und teurer als in Deutschland.
  • Steuererklärung – jedes Jahr ab 1. Juli, Frist 31. Oktober; das erste Jahr mit deutschen Einkünften mit Fachperson.
  • Post – deutsche Behördenpost weiter an eine Vertrauensperson leiten.

Typische Fehler

So scheitert der Start am häufigsten.

  1. Mit 43 anfangen zu planen. Die Altersgrenze zählt bei der Einladung – Skills Assessment und Sprachtest brauchen Monate.
  2. Wochenmiete mit Monatsmiete verwechseln. Das Budget stimmt dann um Faktor vier nicht.
  3. Krankenversicherung wie ein Niederländer planen. Deutsche mit befristetem Visum haben kein Medicare.
  4. Bundesstaat nach Foto wählen. Schulgebühren, Nominierungsprogramme und Mieten unterscheiden sich um Tausende.
  5. Reisevisum des Daueraufenthalts ablaufen lassen. Nach fünf Jahren braucht die Wiedereinreise ein Resident Return Visa.
  6. Container mit Wintermöbeln und 230-Volt-Geräten. Australien hat 230 V, aber andere Stecker – und der Container ist teurer als das Mobiliar.
  7. Die Entfernung unterschätzen. „Wir fliegen ja jedes Jahr“ wird mit Kindern und 8.000 AUD pro Reise zu „alle drei Jahre“.

Ehrliche Nachteile

Was hinter dem Strandfoto liegt.

  • Entfernung – 20 bis 24 Stunden Reise, acht bis zehn Stunden Zeitverschiebung, Flüge für eine Familie im hohen vierstelligen Bereich; Anrufe nach Deutschland nur morgens oder abends.
  • Wohnkosten in den großen Städten unter den höchsten der Welt, Wettbewerb um Mietwohnungen.
  • Kalte Häuser im Süden, extreme Hitze und Buschfeuer im Sommer, Überschwemmungen im Norden – das Klima ist nicht nur Strand.
  • Gesundheitskosten für alle ohne Medicare und für Zahn, Auge, Krankenwagen.
  • Visa-Kosten und Bürokratie – fünfstellige Beträge und lange Bearbeitungszeiten, Regeln ändern sich jährlich zum 1. Juli.
  • Provinzialität außerhalb der Metropolen, lange Wege zu allem.
  • Heimweh trifft hier härter als in Europa – man kann nicht „mal eben“ zurück.

Für wen passt Australien – und für wen nicht

Keine Wertung von Menschen, sondern von Konstellationen.

Passt gut

  • Fachkräfte und Handwerker unter 40 mit Beruf auf der Liste und gutem Englisch
  • Gesundheitsberufe, Bau, Ingenieurwesen, IT, Lehrer – besonders regional
  • Junge Leute bis 35, die über Working Holiday testen und ggf. gesponsert werden
  • Familien, die Outdoor-Leben, Sport und offene Schulen suchen und Entfernung aushalten
  • Menschen mit Rücklagen für Visa, Umzug und ein Jahr Anlauf

Passt schlecht

  • Ruheständler – es gibt kein Rentnervisum, Elternvisa sind extrem teuer oder dauern Jahrzehnte
  • Wer über 45 ist ohne australischen Partner oder Arbeitgeber-Sponsor
  • Wer enge Bindung an Eltern und Freunde in Deutschland regelmäßig leben will
  • Wer mit mittlerem Einkommen in Sydney leben möchte
  • Wer Hitze, starke Sonne oder lange Flüge schlecht verträgt

Kostenbeispiel: der Umzug

Beispielrechnung für eine Familie mit zwei Kindern über Subclass 189, Haus zur Miete in Adelaide. Spannen, keine Angebote.

PostenSpanneGrundlage
Visumsgebühr 189 (2 Erwachsene, 2 Kinder)12.285 AUD6.135 + 3.070 + 2 × 1.540 AUD, ab 1.7.2026
Skills Assessment, Englischtest, Gesundheitschecks, Führungszeugnisse, Übersetzungen2.000–4.000 AUDje nach Beruf und Stelle; ohne Migrationsagent (zusätzlich 3.000–8.000 AUD)
Flüge (4 Personen, einfach)4.000–8.000 AUDje nach Saison
Container 20 Fuß Tür-zu-Tür oder Verkauf und Neukauf8.000–15.000 AUDErfahrungsspanne 2026, 8–12 Wochen Laufzeit; Quarantäneprüfung möglich
Kaution (4 Wochen) + 2 Wochen Miete im Voraus3.500–4.500 AUDAdelaide Haus ca. 600–700 AUD/Woche, Portaldaten 2026
Übergangsunterkunft 4–6 Wochen bis zur Wohnung4.000–7.000 AUDFerienwohnung/Airbnb
Gebrauchtwagen + Zulassung + Versicherung10.000–20.000 AUDFamilienfahrzeug
Ersteinrichtung (Kühlschrank, Waschmaschine, Betten), Schuluniformen, Puffer5.000–10.000 AUDErfahrungswert
Summe vor dem ersten normalen Monatrund 49.000–81.000 AUDohne Sydney/Melbourne-Mieten, ohne Agent, ohne OVHC (bei 189 nicht nötig)

Beispielrechnung, Stand September 2026. Visagebühren nach Home Affairs (1.7.2026), Mietdaten Cotality/Portale; übrige Posten Erfahrungsspannen ohne Gewähr. Australien ist das teuerste Ziel dieser Seite, bevor man angekommen ist.

Warum manche wieder zurückgehen

Die Frage, die auf keiner anderen Länderseite steht.

  • Die Entfernung. Nicht am Anfang – nach fünf Jahren, wenn Eltern krank werden, Geschwister Kinder bekommen und die eigenen Kinder ihre Großeltern nur vom Bildschirm kennen.
  • Die Rechnung. Hohes Gehalt, aber Miete, Kinderbetreuung, Schulgeld und OVHC – am Ende bleibt nicht mehr.
  • Der Partner ohne eigenen Weg. Einer hat den Job und das Netzwerk, der andere das Heimweh.
  • Der Beruf. Skills Assessment bestanden, Lizenz des Bundesstaats nicht – jahrelang unter Qualifikation.
  • Das Klima. Hitze, Buschfeuer, Hochwasser; und die Überraschung, im Winter im Haus zu frieren.
  • Das Gefühl, „am Ende der Welt“ zu sein – die Ferne, die erst Freiheit war, wird Enge.
Klartext

Australien-Rückkehrer sind selten gescheitert – sie haben meist gut verdient und gelebt und sich dann für Nähe entschieden. Der beste Schutz gegen eine ungewollte Rückkehr: Bundesstaat nach Kosten und Schule wählen, beide Partner mit Perspektive, Berufsanerkennung vor dem Flug, Anwartschaft in der deutschen Krankenkasse – und ein ehrliches Gespräch über die Eltern, bevor der Container fährt.

Ihre ersten 90 Tage

Was wann zu tun ist – die Kurzfassung dieser Seite.

Vor dem Umzug (1–2 Jahre vorher)

  • Beruf auf der Liste prüfen, Punkte berechnen, Alter im Blick (unter 45 bei Einladung)
  • Skills Assessment und Englischtest ablegen, Expression of Interest einreichen; Bundesstaat für 190/491 wählen
  • Bei befristetem Visum: OVHC abschließen; Schulgebühren des Bundesstaats prüfen
  • Krankenkasse: Anwartschaft prüfen; bei Rente Finanzamt Neubrandenburg; bei GmbH-Anteilen Wegzugsbesteuerung
  • Bankkonto aus Deutschland eröffnen, Führungszeugnisse und Urkunden übersetzen
  • Container oder Verkauf entscheiden; Übergangsunterkunft für 4–6 Wochen buchen
  • Abmeldung in Deutschland (1 Woche vor bis 2 Wochen nach Auszug), Bescheinigung sichern

Woche 1 bis 4

  • TFN beantragen, Medicare anmelden (falls berechtigt), Superannuation-Fonds wählen
  • Wohnungsbewerbungen mit vollständigen Unterlagen, Bond über die staatliche Stelle
  • Kinder an der Schule anmelden, Intensive-English-Programm prüfen, Uniform
  • Handy, Strom, Internet; Krankenwagen-Mitgliedschaft, Zusatzversicherung prüfen
  • Deutsche Rentenversicherung, Krankenkasse, Rundfunkbeitrag, Finanzamt informieren

Tag 30 bis 90

  • Führerschein umtauschen, Auto kaufen, CTP-Versicherung
  • Hausarzt finden (bulk billing prüfen), Hautcheck einplanen
  • Private Krankenhausversicherung entscheiden (Lifetime-Health-Cover-Frist: 1 Jahr ab Medicare)
  • Lizenz des Bundesstaats für den Beruf beantragen, Berufsverband, Netzwerk
  • Family Tax Benefit / Child Care Subsidy beantragen; Kalender: Steuererklärung ab 1. Juli

Häufige Fragen zu Australien

Kurz beantwortet – ausführlich steht alles oben auf der Seite.

Wie komme ich als Deutsche oder Deutscher dauerhaft nach Australien?

Über die Fachkräftevisa 189/190/491 (Punktetest, Beruf auf der Liste, unter 45 bei Einladung, Skills Assessment, Englischtest), über einen Arbeitgeber-Sponsor (482 mit späterem Übergang) oder ein Partnervisum. Junge Leute bis 35 starten häufig mit dem Working-Holiday-Visum.

Gilt die Altersgrenze 45 wirklich strikt?

Ja, für die Fachkräftevisa müssen Sie zum Zeitpunkt der Einladung unter 45 sein. Punkte für das Alter sinken schon ab 33. Wer über 45 ist, braucht in der Regel einen Arbeitgeber-Sponsor, einen australischen Partner oder erfüllt Ausnahmen für bestimmte Berufe.

Bin ich in Australien krankenversichert?

Mit Daueraufenthalt ja, über Medicare. Mit befristetem Visum (Working Holiday, 482, Student) nicht – Deutschland hat kein Gegenseitigkeitsabkommen mit Australien. Dann ist eine private Overseas Visitors Health Cover Pflicht oder dringend nötig.

Was kostet das Visum?

Subclass 189 kostet ab 1. Juli 2026 6.135 AUD für den Hauptantragsteller, 3.070 AUD für den Partner und 1.540 AUD je Kind – plus Skills Assessment, Englischtest, Gesundheitschecks. Eine vierköpfige Familie liegt schnell über 14.000 AUD, mit Migrationsagent deutlich mehr.

Was ist Superannuation?

Die verpflichtende kapitalgedeckte Altersvorsorge: Der Arbeitgeber zahlt seit Juli 2025 zwölf Prozent zusätzlich zum Lohn in Ihren Fonds. Auszahlung normalerweise erst ab 60; bei endgültiger Ausreise mit befristetem Visum als DASP mit hoher Abzugssteuer.

Wie teuer ist Wohnen in Australien?

Mieten werden pro Woche angegeben. Sydney lag im Juni 2026 bei 841 AUD, Melbourne bei 641 AUD im Median pro Woche (Cotality). Kaution sind vier Wochenmieten. Adelaide, Perth, Hobart und regionale Städte sind deutlich günstiger.

Müssen meine Kinder Schulgeld zahlen?

An staatlichen Schulen mit Daueraufenthalt nein. Mit befristetem Visum verlangen einige Bundesstaaten – etwa New South Wales und das ACT – mehrere tausend AUD pro Kind und Jahr auch an öffentlichen Schulen. Prüfen Sie das vor der Wahl des Bundesstaats.

Bekomme ich meine deutsche Rente in Australien?

Ja, ungekürzt. Das Sozialversicherungsabkommen hilft bei Mindestzeiten für die australische Age Pension, die aber einkommensgeprüft ist und durch deutsche Renten gekürzt wird. Steuerlich kann eine Erklärung in beiden Ländern nötig sein – Fachperson fragen.

Ihre persönliche Reihenfolge

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Zuletzt geprüft am 2. September 2026. Quellen: Department of Home Affairs, Visagebühren ab 1.7.2026 und Working-Holiday-Altersgrenze für Deutschland (1.7.2026); Australian Bureau of Statistics, Average Weekly Earnings Mai 2026 und Zensus 2021; Cotality Rental Review Juni 2026; Australian Taxation Office, Tarif 2025/26 und Superannuation Guarantee 12 %; Services Australia, Reciprocal Health Care Agreements; Sozialversicherungsabkommen Deutschland–Australien (2003); Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland–Australien (2015); Numbeo-Länderindex Mitte 2026; Deutsche Rentenversicherung; eigene redaktionelle Auswertung. Allgemeine Informationen ohne Gewähr, keine Steuer-, Versicherungs- oder Rechtsberatung. Zahlen sind Stichtagswerte und Spannen; prüfen Sie sie vor Entscheidungen bei den genannten Stellen nach.